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Erster
Canter. Erstes eigenes Pferd. Erster Sieg. All das ist Timbre für mich.
Es
begann vor mittlerweile 16 Jahren. Aufgeregt betrete ich im Rennstall
die Box des damals 7jährigen, großen dunkelbraunen Hengstes. Ich darf
zum erstenmal mit auf die Trainingsbahn, zum ersten Mal auf einem Vollblüter
die Sandbahn im Galopp umrunden. Ich bin stolz, das wir ganz vorne sind,
am Ende dieser Runde. Und endgültig und unheilbar mit dem Rennsportvirus
infiziert.
Natürlich
war Timbre das bravste Pferd im Stall, im Training nie besonders ehrgeizig,
im Rennen auch schon lange nicht mehr. Wehwehchen an den Beinen kamen
hinzu, so daß sich der Besitzer gerne von ihm trennen wollte. Ein bißchen
mehr Geld, als der Schlachter bekommen hätte, reichte aus, um meinen Traum
vom eigenen Rennpferd wahr zu machen. Aber auch in meinen Farben lief
er nur hinterher. Also bekam er einen ausgedehnten Sommerurlaub auf der
Koppel. Erste Tests auf einem Stoppelfeld bewiesen, daß er sich gut erholt
hatte. Trotzdem ging unser erster gemeinsamer Start in die Hose, denn
der Sattelgurt rutschte und nur mit Mühe blieb ich überhaupt oben.
In
einem Amateurrennen in Köln schlug unsere große Stunde! Meine Schwester
führte uns wie immer zum Geläuf. Niemals werde ich vergessen, wie sie
zu mir hoch sah und ganz trocken bemerkte, daß Timbre heute zu allem bereit
wäre und wir gewinnen würden! Es war das erste, aber nicht letzte Mal,
daß sie mir einen Sieg auf dem kurzen Weg zum Aufgalopp voraussagte und
immer behielt sie recht.
An
diesem Tag war es allerdings eine sehr kühne Behauptung, denn Timbre war
ein Außenseiter, der große Favorit kam aus dem Championstall und hatte
den erfolgreichsten Amateurrennreiter im Sattel. Doch obwohl der Favorit
die gesamte Gerade angriff, stiefelte Timbre Start-Ziel nach Hause.
Meine
Schwester war so stolz auf ihn, daß sie ihn statt der üblichen 30 Minuten
fast 2 Stunden trocken führte, um immer wieder gefragt zu werden: "Na,
wo war er denn diesmal? Wieder Letzter?“ "Natürlich nicht, heute hat er
gewonnen, und das wußte er schon vorher!“
Timbre
hat dann auch noch meiner Schwester das Reiten auf Vollblütern im Rennstall
beigebracht – und leider nie wieder gewonnen. Irgendwann weigerte er sich
dann, auf die Trainierbahn zu gehen. Also hat meine Schwester ihm beigebracht,
wie man sich als Rennrentner zu benehmen hat, und als solcher ist er das
beste Freizeitpferd, was man sich wünschen kann.
Und
ab und zu erzählen wir ihm noch einmal, wie das damals war, als er den
heißen Favoriten schlug, denn wir haben den Rennkommentar noch im Ohr:
Timbre führt, aber jetzt kommt Norton – Norton an der Außenseite, Norton
und Timbre, noch 150m und Timbre ist vorne, Norton greift an, Timbre und
Norton - Timbre, Timbre gewinnt!
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