|
Im
Sommer 1989, bevor ich auf dem Kolleg mein Fachabi nachzuholen dachte,
wollte ich noch ein wenig Geld verdienen.
Als
gelernte Rennreiterin fiel mir nichts Besseres ein, als dies auf der Rennbahn
zu tun. Bei einem gewissen Bruno Schütz.
Dort
stand eine zweijährige, kleine, zickige, fuchsfarbene Stute namens Saragossa,
Besitzer: Gestüt Brümmerhof. Sie war in der Box wirklich sehr zickig.
Kitzelig, beißend und tretend. Zu reiten allerdings ein Traum. Ganz lieb,
deshalb wurde sie auch immer an die Amateure gegeben, die dort am
Stall
ihre reiterlichen Fähigkeiten vor der Prüfungskommission (für die Amateurrennreiter-Prüfung)
zeigen mussten. Bei einem armen Schwein kam sie denn doch mal alleine
zurück *kicher*. In diesem Jahr lief sie in einigen größeren Zweijährigen-Rennen.
Und im Excelsior Hotel Ernst- Criterium, einem Listen-Rennen, war sie
sogar 4. hinter Lindera, Caldono und Alkestis, knappe 5 Längen von der
Siegerin geschlagen. Das war ihr größter Erfolg.
Naja,
im August verließ ich den Stall, machte mein Fachabi und hatte mit Rennpferden
nichts mehr zu schaffen.
Ungefähr
zwei Jahre später überkam mich eine unwahrscheinliche Sehnsucht. Ich beschloß,
mir ein Pferd zu kaufen. Natürlich mußte es eine Stute sein (der selbstgezüchtete
spätere Derby-Sieger galoppierte bereits in meinem Kopf herum). Ich rief
einen mir von früher bekannten Trainer, Stefan Wegner, an und fragte ihn,
ob er denn etwas "Passendes" (in meiner Preisklasse) im Stall
hätte. Er sagte ja, da wäre eine Stute, deren Besitzer ihm noch Stallmiete
schulde und die er deshalb im Auftrag verkaufen solle. Ich fragte, was
ist das für ein Pferd und siehe da, es war Saragossa. Mittlerweile vier
Jahre alt, wurde sie an der Führmaschine bewegt, als ich sie mir anschauen
kam. Das war etwa Anfang Dezember 1991. Sie hatte sich nicht viel verändert.
Genauso klein, langes, zotteliges Fell, unbeschlagen und bestimmt seit
Wochen außer Training. Sie hatte als Dreijährigen ein Rennen gewonnen,
war zweimal Zweite und Dritte. Lebensgewinnsumme= ca. 8000 Euro. Nun denn,
ich bekundete mein Interesse, denn das ist ja wohl mehr als Zufall gewesen,
oder?
So
kam es, daß ich am 31.12.1991 mit Hänger und dem notwendigen Geld erneut
nach Bremen reiste, um mein zukünftiges Pferd abzuholen.
Sie
stieg gleich auf den Hänger hinauf, ich bezahlte, erhielt die Papiere
und die Weisung, ich müsse mich noch mit dem Vor- Vor- Besitzer in Verbindung
setzen, wollte ich beim Direktorium für Vollblutzucht und Rennen ordnungsgemäß
als Besitzerin eingetragen werden.
Der
ehemalige Besitzer hatte nämlich nicht nur nicht die Trainingskosten bezahlt,
sondern auch noch Schulden bei Herrn Baum vom Gestüt Brümmerhof, von dem
er das Pferd erworben hatte. Also rief ich Herrn Baum an, in der Hoffnung,
er würde sich an mich erinnern, denn ich hatte damals seinen ersten eigenen
Sieger in Hannover geführt (es war mein damaliger Liebling Arne). Ich
erklärte ihm die ganze Geschichte und er versprach, sich mit dem Direktorium
in Verbindung zu setzen. Das ging auch alles gut und ich wurde im Pferdepaß
als Besitzerin eingetragen.
Nun
aber wohin mit dem Tier?
Zunächst
ging es auf einen Gutshof in einem Dorf in unserer Nähe. Gutshof, pah!
Dort standen lauter Hannoveraner, die von ihren Besitzern überwiegend
zur Jagdsaison im Herbst "frischgemacht" wurden.
Der
eine erdreistete sich sogar zu verlangen, mein Pferd dürfe nicht neben
seinem (Zitat:) "Hochleistungspferd" (Zitat Ende), stehen, da
es fürchterlich koppe und sich das schlecht auf die Leistung des Eigenen
auswirke. Ich traf dort im Stall ein nettes Mädel, welches sich in Punkto
Offenstallhaltung ein wenig schlau gemacht hatte. Ich war begeistert und
so pachteten wir uns ein Stück Wiese, bauten einen Stall darauf und ließen
unsere beiden Pferde dort herumlaufen. Na, wie das der Sara gefiel.
Ca.
1 ½ Jahre später trennten wir uns und ich bezog mit Saragossa eine
(fast) eigene Scholle. Ein schöner Stall bei einem einsam gelegenen Haus,
10 Morgen Wiese darum herum, Wasser & Elektrizität und wir können
schalten und walten, wie wir wollen. Toll! Als Gesellschaft kam ein kleiner
Norwegermix dazu (sie hasst ihn immer noch, ich weiß nicht warum, Monty
ist sooo lieb). Der Traum vom Züchten ging mir nicht aus dem Kopf, aber
finanziell konnte er erst 1997 wahrgemacht werden. Ich wählte Zampano
aus, einmal wegen der Nähe, wegen der günstigen Kosten und - er ist auch
vom Gestüt Bona, genau wie Saragossa! Oh, war das schön zu sehen, wie
meine kleine Zicke immer dicker wurde. Und liebesbedürftig, kaum zu glauben,
denn sie ist mehr ein Rührmichnichtan. Und dann die Nachtwachen... Es
war der 1.6.1998 - ich blieb bis ca. halb zwölf Uhr nachts. Saragossa
war ruhig und streifte gelassen über die Wiese. Keine Anzeichen einer
bevorstehenden Geburt. Nun gut, dachte ich, fährste nach Hause, morgen
ist auch noch ein Tag. Um sieben Uhr in der Früh wurden wir angerufen.
Das Fohlen ist da. Nix wie hin und staun, da lief ein wackeliger, kleiner,
roter, zerknautschter Hengst zwischen den aufgeregten "Alten"
herum. Sonnentänzer!

Es
hat jedenfalls einige Jahr gedauert, bis Sara soweit Vertauen zu mir hatte,
daß das Reiten mit ihr Spaß macht. Mittlerweile brauche ich nur zu denken,
und sie weiß, was los ist. Sie würde für mich durchs Feuer gehen und darauf
bin ich stolz. Wir vergnügen uns überwiegend im Wald, machen aber auch
kleine Geschicklichkeitsübungen, wie z. B. durch ein Labyrinth gehen (nur
mit Stimmkommandos) oder Besenpolo... an kleinen Turnieren haben wir auch
mehr oder weniger erfolgreich teilgenommen. Ich glaube, das macht ihr
sehr viel Spaß, denn sie schaut immer ganz gespannt, was denn nun als
nächstes kommt. Das Koppen ist auch fast ganz weg. Eigentlich koppt sie
nur noch, wenn sie mir zeigen will, dass sie sich langweilt. Ja, ich glaube,
sie kann lesen und schreiben.
|